Motivation und (Re-)Integration älterer Mitarbeiter als Leistungsträger
Dienstag, 24. November 2009Der demografische Wandel im Spiegel von Mitarbeiterbefragungen
Im Workshop „Demografischer Wandel in Organisationen“ gab Prof. Dr. Guido Hertel von der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster einen Einblick in die aktuelle Forschung zur Motivation älterer Mitarbeiter.
In diesem Forschungsprojekt wurde mit dem Einsatz eines Online-Ranking-Verfahrens (Neubarth, 2008, 2006) eine aktuelle methodische und technische Entwicklung aus der Online-Forschung aufgegriffen. Ranking-Verfahren vermeiden das Phänomen, dass Mitarbeiter unterschiedliche Aspekte ihrer Arbeitstätigkeit beim Einsatz von klassischen Ratingskalen als ähnlich „wichtig“ oder „sehr wichtig“ einschätzen. Stattdessen erlauben Sie eine weitere Differenzierung im oberen Skalenbereich, indem die Mitarbeiter verschieden Aspekte der Arbeitstätigkeit anhand ihrer subjektiven Bedeutung in eine Rangreihenfolge bringen (z. B. persönlicher Handlungsspielraum oder Vielfalt der Tätigkeit).
Auf diesem Ansatz beruht das „Ranking berufsbezogener Motive“, das Professor Hertel vorstellte. Spannend sind die mit diesem Verfahren gefundenen Ergebnisse bei älteren Mitarbeitern. So zeigte sich, dass mit dem Alter auch der Wunsch nach einem größeren persönlichen Handlungsspielraum steigt. Das gilt auch für das Bedürfnis, durch die Arbeitstätigkeit etwas Bleibendes zu schaffen. Anders als manchmal unterstellt, sind auch ältere Mitarbeiter an Weiterbildungen interessiert: Im Gespräch zwischen den Teilnehmern und Professor Hertel wurde diskutiert, ob das auch für Arbeitnehmer gilt, die wenige Jahren vor dem Ruhestand stehen, weil die erworbenen Fähigkeiten nur noch kurze Zeit angewendet werden können. Die Einführung von Altersteilzeit könnte den wahrgenommenen Nutzen von Weiterbildungsmaßnahmen steigern, weil Mitarbeiter die erworbenen Fertigkeiten noch länger nutzen können.
In der Diskussion wurde auch deutlich, dass es über die allgemeinen Ergebnisse zur Motivation älterer Mitarbeiter hinaus deutliche Unterschiede zwischen Branchen gibt. Um die Mitarbeiter in verschiedenen Lebensphasen optimal zu motivieren ist es deshalb sinnvoll, in Mitarbeiterbefragungen gezielt auf die arbeitsbezogenen Wünsche und Bedürfnisse einzugehen.

